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Predigt zu Lätare

Liebe Gemeinde,

im Kindergarten gab es ein Lied, das die Erzieherinnen immer mit uns Kindern gesungen haben, wenn es geregnet hat:

Liebe, liebe Sonne,
komm ein bisschen runter,
lass den Regen oben, dann wollen wir dich loben.
Petrus schließt den Himmel auf,
kommt die liebe Sonne raus.
Petrus schließt den Himmel zu,
hat der Regen seine Ruh.

Petrus schließt den Himmel auf und auch wieder zu. Ich habe als Kind gelernt, dass Petrus da oben sitzt und eine große Macht über das Wetter hat. Er ist der liebe Wettermensch, den man um gutes Wetter bitten kann. Petrus, der eigentlich Simon heißt, bekommt von Jesus diesen Namen. Er bedeutet Fels. Im Matthäusevangelium erfahren wir über Petrus: Er ist derjenige, der bekennen kann, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Jesus macht ihm die Zusage: „Du bist Petrus und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Weiter sagt Jesus: „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben, und was du auf Erden bindest, wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden löst, wird auch im Himmel gelöst sein.“ Petrus scheint also wirklich begnadet zu sein. Alles gelingt ihm und innerhalb des Jüngerkreises nimmt er eine Sonderstellung ein. Was wir im heutigen Predigttext Lk 22,54-62 hören, passt nicht wirklich zu diesem Bild:

Nachdem sie Jesus aber ergriffen hatten, verhafteten sie ihn und führten ihn in das Haus des Hohepriesters. Petrus aber folgte von ferne. Nachdem sie in der Mitte des Hofs ein Feuer angezündet hatten und sich zusammengesetzt hatten, setzte sich Petrus mitten unter sie. Nachdem aber irgendeine Magd ihn am Feuer sitzend sah und gespannt auf ihn blickte, sagte sie: „Auch dieser war mit ihm.“ Er aber leugnete es, sagend: „Ich kenne ihn nicht, Frau.“ Und kurz darauf, nachdem ein anderer ihn gesehen hatte, sagte er: „Auch du bist von ihm.“ Petrus aber antwortete: „Mensch, ich bin es nicht.“ Und nach Verlauf von etwa einer Stunde behauptete irgendein anderer steif und fest, indem er sagte: „Wirklich, auch dieser war mit ihm, denn auch er ist ein Galiläer.“ Petrus aber sprach: „Mensch, ich weiß nicht, was du sagst.“ Und sogleich, als er noch sprach, krähte der Hahn. Und nachdem der Herr sich umgewendet hatte, sah er Petrus an und Petrus erinnerte sich an das Wort des Herrn, wie er zu ihm sagte: „Bevor der Hahn heute krähen wird, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Und als er nach draußen ging, weinte er bitterlich.

Was ist in dieser Geschichte mit dem charismatischen Mann, dem alles zu gelingen scheint und den Jesus sehr schätzt, geschehen? Anders als sonst, hält sich Petrus an dieser Stelle im Hintergrund. Er folgt dem verhafteten Jesus von ferne. Er ist hier nicht, wie sonst, ganz vorne mit dabei, um herauszufinden, was mit Jesus geschieht. Kann er vielleicht nicht glauben, dass die Verhaftung Jesu gerade wirklich geschehen ist? Braucht er einfach einen Moment, bis er den anderen Menschen folgen kann? Ahnt er vielleicht schon, dass die Situation für ihn schwierig werden könnte? Wir wissen es nicht. Es wird nicht berichtet, welche Gefühle hier in Petrus vorgehen. Sicher ist nur: Er ist neugierig genug, um mögliche Sorgen oder Ängste zu ignorieren und der Menschenmenge von ferne zu folgen. Er ist so weit hinter den anderen, dass er sich erst zu ihnen setzt, als sie bereits ein Feuer im Hof des Hohepriesters angezündet haben. Im Predigttext wird beschrieben: Petrus setzte sich mitten unter die anderen Menschen. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie sich Petrus quasi an die Menschenmenge anschleicht und versucht möglichst unerkannt in ihr zu verschwinden. Die Erzählung wirkt, als ob er versucht, nicht aufzufallen. Rechnet er vielleicht damit, als Anhänger Jesu erkannt zu werden? Um dies zu verhindern, schummelt er sich förmlich unter die Menschenmenge.

Und dann passiert es doch: Petrus wird ertappt. Wie ein Kind, das Schokolade stibitzen will. Die Eltern haben es genau gesehen. Irgendeine Frau erkennt Petrus und sieht ihn am Feuer sitzen. Irgendeine Frau! Petrus und diese Frau kennen sich nicht. Dennoch erblickt und erkennt sie ihn. Die Frau spricht ihn aber nicht direkt an, sondern verkündet freien Gemüts, hörbar für alle Menschen im Hof: „Auch dieser war mit ihm.“ Was für eine Anschuldigung! Die Frau wirkt auf mich, wie ein petzendes Kind. Ich kann mir richtig vorstellen, wie sie dabei mit ihrem Finger auf Petrus zeigt und sagt: Auch dieser war mit ihm! Petrus ist ertappt. Die Frau verlangt von ihm, dass er sich zu Jesus bekennt. Sich zu Jesus zu bekennen, würde bedeuten, sich mit ihm zu solidarisieren. Die Frau verlangt von Petrus, dass er sich in der Menschenmenge hinstellt und sagt: „Ja, ich gehöre zu Jesus. Ich bin mit ihm unterwegs gewesen und ich habe seine Lehre angenommen“. Er soll persönlich zu Jesus stehen und damit über sich selbst offenbaren: „Ich bin ein Anhänger Jesu.“ Petrus aber leugnet diese Anschuldigung. Das Kind würde jetzt vielleicht versuchen, die Schokolade hinter dem Rücken zu verstecken oder sie ganz schnell in den Mund zu schieben. Auch Petrus versucht seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Er lügt: „Ich kenne ihn nicht Frau“. Mit dieser Formulierung behauptet Petrus, Jesus nie gekannt zu haben. Er verleugnet ihn und lügt.

Wir alle haben es wahrscheinlich schon mal getan: Lügen. Meistens haben wir unsere Gründe dafür. Eine Lüge kann aus Angst entstehen. Ein Kind hat eine schlechte Note geschrieben und belügt seine Eltern deswegen. Es möchte sich möglicherweise Ärger ersparen und sich nicht anhören, dass es nicht fleißig genug war. Manchmal entsteht eine Lüge, weil eine Situation peinlich ist. Man möchte sich unangenehme Gespräche ersparen und Anschuldigungen von sich weisen. Manchmal belüge ich mich auch selbst: Heute habe ich so viel Sport gemacht, dann kann ich jetzt auch richtig bei den Süßigkeiten zuschlagen. Am Ende steht das Ganze dann auch nicht mehr im Verhältnis.

Auch Petrus lügt, wahrscheinlich aus Angst. Sich zu Jesus zu bekennen, hätte für Petrus mit dem Tod enden können. Er hätte genau wie Jesus als politischer Unruhestifter hingerichtet werden können. Dessen ist sich Petrus bewusst. Zuvor im Kapitel kann Petrus zwar noch sagen: „Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.“ Jetzt ist der Zeitpunkt an dem Petrus diese Worte mit Taten füllen könnte. Angesichts dieser lebensbedrohlichen Situation lügt er jedoch. Kann man ihm das verübeln? Als Konfirmandin konnte ich Petrus nicht verstehen. Ich habe mir gedacht, wenn ich das Glück gehabt hätte, Jesus leibhaftig, persönlich zu treffen, würde ich alles tun. Ich hätte genau wie Petrus gesagt: Ich bin bereit mit dir zu gehen, egal was es kostet. Ich glaube mir war gar nicht klar, was es einem Menschen abverlangen kann, Christ oder Christin zu sein. Heute würde ich nicht mehr so einfach behaupten, dass ich alles tun würde, wenn Christus nur leibhaftig anwesend wäre. Ich finde, es ist schwer einzuschätzen, wie ich handeln würde. Heute kann ich verstehen, dass Petrus in dieser bedrängenden Lage Angst hat und nicht zu Jesus stehen kann. Er hat vielleicht sein Möglichstes in dieser Situation gegeben. Er hätte nach der Verhaftung Jesu fliehen können, wie es wahrscheinlich die anderen Jünger getan haben. Er versucht jedoch noch zu Jesus zu halten und folgt ihm, wenn auch von ferne. Doch die Anschuldigung zu bestätigen, ist ihm zu heikel.

Es bleibt jedoch nicht bei einer Anschuldigung. Nur kurz nach der ersten Anschuldigung muss Petrus sich eine zweite anhören. Diesmal wird Petrus direkt angesprochen: „Auch du bist von ihm“. Wieder leugnet Petrus. Danach herrscht erst einmal Ruhe. Bis zur dritten Anschuldigung vergeht etwa eine Stunde. Petrus könnte mittlerweile hoffen, dass er nun in Ruhe gelassen wird. Doch nach einer Stunde muss sich Petrus eine dritte Anschuldigung anhören: „Wirklich, auch dieser war mit ihm, denn auch er ist ein Galiläer.“ Welch eine Beharrlichkeit! Wieder handelt es sich um irgendeine Person und wieder wird die Anschuldigung einfach hinaus in die Menge posaunt. Diesmal nennt die Person sogar eine Begründung für die Anschuldigung. Petrus ist, wie auch Jesus ein Galiläer. Ein Blick in das Matthäusevangelium zeigt, dass sich Petrus durch seine Sprache verrät.

Die Beharrlichkeit dieser fremden Menschen hat mich zunächst richtig sauer gemacht. Ich dachte mir: „Lasst Petrus doch in Ruhe. Er möchte vielleicht nur erfahren, was mit Jesus geschieht und bei ihm sein, um ihn zu unterstützen. Was geht es euch an, ob Petrus zu Jesus gehört oder nicht? Was habt ihr davon, ihn anzuklagen?“ Doch dann habe ich mich gefragt: „Ist es nicht gut, wenn andere Menschen auf Fehler aufmerksam machen?“ Gerade von meinen Freunden oder von meiner Familie erhoffe ich mir, ja erwarte ich sogar, dass sie mich auf Fehler oder Probleme aufmerksam machen. Ich erwarte Ehrlichkeit von meinem Umfeld.

Petrus wird also ein drittes Mal angeklagt, zu Jesus zu gehören und er leugnet es auch ein drittes Mal: „Mensch, ich weiß nicht, was du sagst.“ Die Prophezeiung Jesu trifft in diesem Moment ein. Noch als Petrus spricht kräht der Hahn. Doch das Krähen des Hahns reicht für Petrus noch nicht aus, um sich an die Worte seines Herrn zu erinnern. Erst als Jesus Petrus anblickt, fällt ihm die Prophezeiung Jesu wieder ein. Wie mag der Blick Jesu an Petrus wohl aussehen? Enttäuscht, im Sinne von: „Wie konntest du mich nur verraten?“ Rechthaberisch, im Sinne von: „Ich habe es dir doch gesagt!“

Der Text gibt uns keine Antwort darauf. Jedoch entschließt sich Jesus, trotz des Verrats, Kontakt mit seinem Jünger aufzunehmen. Dafür nutzt er die einzige Möglichkeit, die ihm angesichts seiner Verhaftung noch geblieben ist: Er wendet den Kopf und blickt Petrus an. Der Blick könnte also auch als eine Form der Hinwendung zu Petrus verstanden werden. Auch in Momenten seiner eigenen Bedrängnis, kann Jesus noch für seine Jünger da sein. Erst jetzt bemerkt Petrus: „Ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe es nicht geschafft, zu meinem Herrn zu stehen, obwohl ich mir dessen doch so sicher war.“ Noch einige Verse zuvor hatte Petrus Jesus geschworen, ihm überall hin zu folgen. Eigentlich wollte Petrus den Weg mit Jesus zu Ende gehen. Er versucht es, scheitert jedoch.

Kein Mensch ist vor Fehlern sicher. Jeder und jede wird in seinem oder ihrem Leben die Erfahrung erlangen, etwas falsch zu machen. Vielleicht wird ein Freund oder eine Freundin enttäuscht, weil man es nicht schafft, ein Versprechen zu halten. In der Schule werden und wurden uns unsere Fehler ständig aufgezeigt. Manche Menschen werden für ihre Fehler sogar vom Staat bestraft. Die Frage ist dann immer: „Wie kann ich mit diesem Fehler umgehen? Wie kann ich damit leben, dass ich etwas falsch gemacht habe?“

Auch Petrus scheint sich diese Frage zu stellen. Er erkennt, dass er falsch gehandelt hat und das hat eine Reaktion zur Folge. Er weint bitterlich. Er scheint zu bereuen, was er getan hat. Sein Fehler schmerzt ihn so sehr, dass er das Geschehen verlässt. Er scheint es nicht mehr in der Nähe Jesu und der anderen Menschen auszuhalten. Muss Petrus jetzt für immer mit diesem grauenvollen Gefühl leben?

Für Martin Luther gehören Fehler zum Menschen dazu. Laut ihm ist die Bibel aufgeteilt, einerseits in „Gebot und Gesetz“, andererseits in „Verheißung und Zusage“. Die Gebote und Gesetze sagen uns, was wir tun sollen. Gleichzeitig zeigen sie uns auch unsere Grenzen auf. Wir können es in unserem Leben nicht schaffen, immer alle Gebote zu halten. Die Verheißung und Zusage besteht für Martin Luther darin, dass der Mensch im Glauben an Christus Gnade, Gerechtigkeit und Frieden erlangt. Durch den Glauben wird der Mensch gerecht. Durch den Glauben sind den Menschen die Sünden vergeben. Dieser Glaube muss stetig geübt werden. Rückschläge sind nämlich immer möglich. Einen solchen Rückschlag hat auch Petrus erlebt. Doch auch für ihn gilt die Zusage der Gnade. Gerade in seiner Trauer drückt er seinen Glauben aus. Insofern kann der Blick Jesu erst recht als Hinwendung zu seinem Jünger verstanden werden. Petrus hat die Möglichkeit in seinem Leben wieder neu anzufangen. Er darf sich in und über sein Leben freuen. Freude, das ist auch das Thema des Sonntags Lätare. Er war in diesem Jahr am 22. März. Lätare bedeutet „freue dich“. Freue dich Petrus, denn Gott schenkt dir seine Gnade, seine Gerechtigkeit und seinen Frieden.

Amen

© Arantxa Held


 Dieser Predigttext wurde geschrieben von Arantxa Held, einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin in der Jugendarbeit der Bugenhagengemeinde und wurde im Rahmen einer Predigtarbeit in ihrem Theologiestudium erstellt.

 

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