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Mit Jesus auf dem See gehen - Raus aus der Komfortzone

Wir kennen es alle: Es ist weich. Es ist lang. Manchmal geht es um die Ecke. Manchmal ist es braun, manchmal grau, manchmal bunt, manchmal aus Leder. Es steht im Wohnzimmer. Meistens ist es bequem. Manchmal so bequem, dass man vor dem Fernseher einschläft und gar nicht mehr aufstehen mag. Das Sofa.

Manchmal machen wir es uns einfach zu gemütlich...Die Frage ist: Können wir dort wachsen? Ab und zu ist es einfach an der Zeit, dass wir unsere Komfortzone verlassen!

Lasst uns gemeinsam lesen was der Bibeltext Mt 14,22-33 für uns bereithält:
Und sogleich nötigte Jesus seine Jünger, in das Schiff zu steigen und vor ihm ans jenseitige Ufer zu fahren, bis er die Volksmenge entlassen hätte. Und nachdem er die Menge entlassen hatte, stieg er auf den Berg, um abseits zu beten; und als es Abend geworden war, war er dort allein. Das Schiff aber war schon mitten auf dem See und litt Not von den Wellen; denn der Wind stand ihnen entgegen. Aber um die vierte Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. Und als ihn die Jünger auf dem See gehen sahen, erschraken sie und sprachen: Es ist ein Gespenst!, und schrien vor Furcht. Jesus aber redete sogleich mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht! Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, wenn du es bist, so befiehl mir, zu dir auf das Wasser zu kommen! Da sprach er: Komm! Und Petrus stieg aus dem Schiff und ging auf dem Wasser, um zu Jesus zu kommen. Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich, und da er zu sinken anfing, schrie er und sprach: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus, ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie in das Schiff stiegen, legte sich der Wind. Da kamen die in dem Schiff waren, warfen sich anbetend vor ihm nieder und sprachen: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn!

Jesus nötigte die Jünger in das Boot zu steigen, weil er nicht wollte, dass die Jünger sich in begeistertem Unverstand mit der Menge verbündeten. Sie sollten raus aus dem falschen Festjubel und in der kühlen Nacht bei nüchterner Ruderarbeit zur Besinnung kommen, da die Menge ihn fälschlicherweise versuchte zum „politischen“ König zu machen.

Jesus passt in keine Schablone, keine Form. Er ist kein Wunschautomat und kein Glücksbringer in unserer Tasche, der genau das macht, was wir für richtig halten. Jesus wollte seine Jünger schützen, damit sie ihn nicht auch zum politischen König machen. Er wusste, dass sie noch nicht zu der vollen Erkenntnis gekommen sind und dass sie sich noch nicht seiner göttlichen Wirklichkeit sicher sind.

Das Wort „Jünger“ kommt aus dem Griechischen und heißt wörtlich übersetzt „Lerner“. Es impliziert eine Beziehung zwischen Jünger und Herr. Die Jünger Jesu vertreten nicht eine gute Sache, sondern sind mit ihrem ganzen Leben an Jesus gebunden. Auch wir sind als Jesu Jünger Lernende und mit unserem ganzen Leben an Jesus gebunden.

Nachdem Jesus die Volksmengen entlassen hatte, zog er sich zurück auf den Berg, um zu beten. Er sorgte sich darum, dass die Jünger die Kreuzesregel noch nicht verstanden hatten. Ihm stand nur die Gemeinschaft mit dem Vater offen. Innerlich und äußerlich lastete eine Last auf ihm und die Jünger hatten noch nicht verstanden, dass man nur durch Leiden zur Herrlichkeit kommt.

Jesus suchte auf dem Berg nicht Menschentrost und Menschenrat, sondern die Gegenwart und die Geborgenheit des Vaters.

Für jeden von uns ist die Gemeinschaft mit dem Vater wichtig. Wir brauchen Intimität mit ihm. Er bringt uns zur Ruhe und er ist der Einzige, der vollkommen und reich an Weisheit ist. Die Gemeinschaft mit unserem Vater ist nicht nur nach einem anstrengenden Tag, einer verzweifelnden Situation wichtig, sondern genauso wenn es uns gut geht und zu Beginn des Tages. Natürlich können und sollen wir uns mit Menschen, unserer Familie und unseren Freunden umgeben, aber sie können uns nicht das geben was uns der Vater geben kann. Er rüstet Jesus dort mit Vollmacht für die kommende Situation aus. Auch kann er zu uns sprechen (Joh 10,27) und uns mit Vollmacht ausrüsten, wenn wir große Dinge in seinem Namen vollbringen müssen.

Während Jesus auf dem Berg, Zeit mit seinem Vater verbrachte, litt das Boot der Jünger bereits Not.

Das Boot muss schon einige Stunden unterwegs gewesen sein, wenn Jesus erst während der vierten Nachtwache zu ihnen kam. Bis dahin hatten die Jünger genug Zeit, sich Sorgen zu machen und beunruhigt zu sein. Der Wind kam offenbar erst mit der Dunkelheit auf, was selten am See geschieht und deshalb Angst erzeugen musste. In der Passahzeit wehte der Westwind mitunter am heftigsten. Der Wind ist auf dem See übrigens besonders stark, da der Wind gegen die Berge weht und dann sozusagen abgeprallt auf den See drückt.

Jesus ist einige Kilometerüber das Meer gegangen, da die Jünger sich auf der Seemitte befanden. Durch die Versenkung im Gebet kehrt er mit Vollmacht zurück und vollbringt dieses Wunder, dass er über das Meer laufen kann.

Die Jünger hielten Jesus für einen Geist. Sie rechneten nicht mit dem wirklichen Jesus. Oft erkennen auch wir Gott im Alltag nicht, obwohl wir in unserem Kopf wissen, dass er immer da ist. Sie dachten nicht daran, dass er auf dem Meer gehen könnte. Auch wir trauen Gott oft zu wenig zu. Wie oft rechnen auch wir nicht mit Jesus (rechtzeitigem) Eingreifen. Mich ermutigt dabei das Zitat von Arno Backhaus: „Gott hilft spätestens rechtzeitig.“

Jesus reagierte sofort auf die Angst der Jünger und sprach als erstes ein Trostwort. „Seid getrost. Ich bin’s. Fürchtet euch nicht!“ wird oft Zweifelnden in der Bibel zugesprochen. Und dieser Zuspruch gilt auch für uns heute in Situationen der Angst und des Zweifels. Es ist interessant, dass Jesus den Jüngern erst gut zuspricht und dann erst Petrus auffordert über das Wasser zu gehen. Dabei hat er jeden Grund sauer zu sein, dass die Jünger ihn nicht erkennen.

Petrus war Mitglied einer galiläischen Fischerfamilie und nahm unter Jesu Jüngern eine führende Stellung ein. Sein Name bedeutet „Fels“. Petrus hat durch das Handeln Jesu soviel Mut gefasst, dass er denkt, dass er nun dasselbe tun könne. Petrus sagt zu Jesus „Dann befiehl mir.“ – Er will es nur auf das Jesu Wort hin tun. Jesus will Petrus etwas zeigen, was er scheinbar nur durch praktische Erfahrung begreifen kann. Auch uns helfen die persönlichen Erlebnisse mit Jesus manchmal mehr als die bloße Theorie. Petrus fing an auf dem Wasser zu laufen, was das zweite Wunder in diesem Bibeltext ist, aber als er den Wind sah, packte ihn die Furcht. Solange er auf Jesus hört, kann er über die Elemente schreiten, ist er Sturm und Wellen überlegen. Solange er auf Jesus sieht, hat er Glauben und Kraft, aber Petrus beginnt sofort zu sinken als der Wind ihm Jesu Bild verwischt. In unserem Leben ist es auch wichtig, dass wir uns auf Jesus fokussieren und ausrichten – gerade in Situationen, in denen wir Angst haben oder zweifeln. Denn im Gegensatz zu Jesus sehen unsere Probleme unbedeutend und klein aus. Petrus glaubt und vertraut, dass der Herr ihn retten kann, auch wenn er ihn gerade scheinbar nicht sehen kann. Für Jesus ist es nur ein Handgriff, Petrus letztendlich zu retten.

Jesus erkennt, dass Petrus die Elemente für wichtiger hält als ihn, den Herrn. Es bezeugt Petrus Vertrauensmangel.
Der Wind legte sich ohne ein ausdrückliches Wort Jesu, was das dritte Wunder in diesem Bibeltext ist. Allein seine Gegenwart und sein Wille schaffen Rettung aus der Not und Ruhe für die Elemente.

Die Jünger Jesu haben Jesus „wahrhaftig“ erkannt. Das spricht für eine tiefe Ergriffenheit des Augenblicks. Es ist eine blitzartige Erkenntnis, die zu einem aussagekräftigen Bekenntnis reifen darf. Die Jünger warfen sich vor Jesus nieder und bekannten, dass er Gottes Sohn ist. Erst nach drei Wundern begriffen die Jünger von Herzen, dass Jesus Gottes Sohn ist und warfen sich vor ihm nieder.

Zum Schluss möchte ich Sie ermutigen, in den Momenten des Zweifels Ihre Komfortzone zu verlassen und auf Jesus zu schauen, der Wunder vollbringt und rettet. Natürlich sollen Sie nicht nur in zweifelnden Situationen Ihre Komfortzone verlassen, sondern auch an Tage „an denen alles gut läuft“. Auf diese Art und Weise wächst unser Vertrauen zu Jesus. Wir werden uns seiner Gegenwart und Souveränität immer bewusster. In uns allen brennt die Sehnsucht, etwas mit Jesus zu erleben. Wenn wir etwas mit Jesus erleben wollen, müssen wir auch ein Risiko eingehen und darauf vertrauen, dass er uns führt.

Manchmal würde ich mir wünschen, dass Jesus wie ein Angstmagnet alle Angst aus mir herauszieht. Er spricht uns zu, dass wir uns nicht fürchten brauchen (Lk 2,10) und sagt gleichzeitig, dass Angst auf der Welt dazu gehört (Joh 16,33).

„Wer auf dem Wasser gehen will, muss aus dem Boot steigen.“ – John Oetting

Wenn Ihr Herz bei einer bestimmten Sache höherschlägt, Sie in Ihrem Kopf wissen, dass es dran ist zu „springen“ oder „auf dem Wasser zu laufen“, tun Sie es. Am besten noch heute. Sie dürfen wissen, dass Jesus bei Ihnen ist und dass es sich lohnt!

Amen

© Madita Hansen