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Ist da jemand?

„Ist da jemand?“ Diese Frage stellt Adel Tawil in seinem Lied.
„Ist da jemand, der mein Herz versteht?“ „Ist da jemand? Der mir den Schatten von der Seele nimmt?“
Vielleicht kennen Sie oder kennt ihr das. Dass man sich überfordert fühlt. Allein gelassen. Unsicher. Ängstlich. Nicht weiß, wie etwas weitergehen soll. Und sich dann fragt: Ist da jemand? Jemand, der/die mir hilft? Mir beisteht?
Jemand, der/die meine Ängste und Sorgen kennt? Meine Herausforderungen und Zweifel? Meine Einsamkeit und Hilflosigkeit?
„Ist da jemand?“ - Eine Frage, die sich bestimmt schon einige gestellt haben. Vielleicht auch gerade jetzt. In einer Zeit, in der vieles ausfällt oder abgesagt werden muss. In einer Zeit, in der wir soziale Kontakte außerhalb den eigenen vier Wänden, des Telefons, oder der digitalen Welt, beschränken müssen.
In einer Zeit, in der Nähe und Gemeinschaft fehlen können.
In einer Zeit voller Ungewissheit und Fragen. Wie wird es nach dieser Krise weitergehen? Wann wird es vorbei sein? Wann kann ich wieder unbeschwert in die Gemeinde, oder meine Freunde und Freundinnen treffen?
In einer Zeit, in der man sich schnell hilflos und einsam fühlen kann.
Wie dunkle Schatten können sich Gefühle wie Angst, Sorge oder Einsamkeit in unsere Seele schleichen und sie entmutigen. Und da fragt Adel Tawil; gibt es jemanden, der mir diese Schatten von der Seele nimmt? Der mein Herz versteht? Und die Gefühle und Gedanken, die ich manchmal selber nicht ordnen oder verstehen kann, versteht?
Gibt es jemanden, der diese Schatten hell machen kann und unser Herz ruhig werden lassen kann?
Vielleicht kann uns unser Glaube Kraft und Mut geben: Gott gibt uns sein Versprechen, da zu sein. Uns zu begleiten. Und uns nicht zu verlassen.
Und dennoch können wir uns einsam fühlen, kann sich Gott so fern anfühlen. Dass wir ihn nicht spüren.
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Warum bleibst du fern von meiner Rettung, von den Worten meiner Klage?“
Das schreibt der Autor von Psalm 22. Wo bist du Gott? Wieso hilfst du mir nicht? Wieso antwortest du nicht? Gebete und Klagen an Gott scheinen ins Leere zu gehen. Unbeantwortet zu bleiben.
Doch wie Adel Tawil auf seine Frage „Ist da jemand?“ eine Antwort findet: „Da ist jemand, der dein Herz versteht. Der dir den Schatten von der Seele nimmt“, so ändert sich auch die Klage des Autors von Psalm 22 und wird zu einem Loblied „Ja, du hast mich erhört.“
Ich glaube daran, dass Gott für uns da sein möchte. Uns nahe sein möchte. Und mit uns durch diese Zeit gehen möchte. Und da ist und uns begleitet. Auch, wenn wir es nicht spüren.
In einer Bibel-Einführung in Taizé hat einer der Brüder mal gesagt, dass es keine Rolle spielt, ob wir spüren, dass Gott da ist, oder nicht. Denn er ist da und unser Gefühl kann nichts daran ändern.
Und vielleicht müssen wir uns manchmal daran erinnern, dass Gott uns begleitet, wenn er uns fern scheint. Manchmal muss Vertrauen erneuert werden. Und manchmal braucht Beziehung Raum und Zeit, um sich neu zu entfalten.

Amen

© Jessica Metlewski


 Dieser Impuls wurde von Jessica Metlewski, ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Jugendarbeit der Gemeinden Paul-Gerhardt und Bugenhagen, verfasst.