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Die Fliege machen

Die Fliege machen, sich aus dem Staub machen, abhauen, die Kurve kriegen, die Biege machen, sich vom Acker machen verschwinden, Leine ziehen, verduften, sich dünn machen, das Weite suchen, durchbrennen, sich davonstehlen, Reißaus nehmen….  – so viele Ausdrücke hat unsere Sprache für ein und dasselbe: für‘s Weglaufen.
Viel mehr Ausdrücke gibt es für das Weglaufen als für das Gegenteil, für das Bleiben.
Sprache kann verräterisch sein: Anscheinend sind wir gut im Weglaufen. Kaum wird es brenzlig, schon heißt es: Ich bin dann mal weg.
So erzählt es (sehr lebensnah) die Passionsgeschichte der Bibel: Alle sind weggelaufen, alle Freunde und Wegbegleiter Jesu.
Auf einmal waren sie weg.
Nur er selber ist geblieben, ist sich und Gott treu geblieben, ist allen Menschen liebevoll zugewandt geblieben.
Dass sie im entscheidenden Moment die Fliege gemacht haben, Petrus & Co., das kann ich ihnen nicht verdenken.
Manchmal spüre ich zur Zeit ja auch den Wegflieg-Impuls.
Aber wohin? In jeder Nachrichtensendung höre ich es: Corona hat alles im Griff, Norwegen, Malaysia, Brasilien…. – und Flüge für‘s Fliege-Machen gibt es ohnehin nicht mehr.
Karfreitag steht vor mir und steht mir bevor. An die Kreuzigung zu denken, ist mir nie leicht gefallen. An dieses Unrecht zu denken, das zugleich ein Abbild ist von allem Unrecht dieser Welt, es kostet mich Kraft.
Aber in diesem Jahr ist etwas anders als sonst.
Weglaufen ist ausgeschlossen.
Aber warum sollte ich das auch?
Selten habe ich es so deutlich von ihm gehört, wie er zu mir sagt:
Ich bin dann mal da.

© Ralf Böhme


 Dieser Text ist Teil der Reihe „Seelenfutter“: Die geistlichen Gedanken in stürmischen Zeiten der Pastoren der Paul-Gerhardt-Gemeinde.
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