Brief an die Gemeinde vom 26. März 2020

Liebe Gemeinde,

in nur wenigen Wochen hat sich unsere Welt aufgrund des „Covid-19“ verändert. Das Virus bestimmt unser Denken und macht vielen Menschen zu Recht Sorge. Wie können wir in diesen Tagen, wo wir Abstand halten müssen, uns dennoch nahe kommen, uns verbinden und über unsere Befindlichkeiten, Sorgen und Ideen miteinander kommunizieren? Ein Widerspruch, der aber erstaunliche Kreativität freisetzt. Vor allem die jüngeren Menschen sind digital unterwegs und kommunizieren per WhatsApp, Facebook, Twitter, Newsletter o.ä.

Bei den älteren Menschen hat das Telefon eine wichtige Bedeutung. Wichtig ist und bleibt: egal ob digital oder analog – wir sind eine Gemeinde und wollen schauen, wie wir uns gegenseitig mit unseren Kräften helfen können. Dazu ist es notwendig voneinander zu wissen, wer zum Beispiel Hilfe braucht. Ich denke vor allem an einsame, ältere und kranke Menschen, die keine Familie im Hintergrund haben. Oder auch alleinerziehende Mütter, die es besonders schwer haben.

Auf unserer Website bugenhagengemeinde.com können Sie direkt mit uns in Kontakt kommen. Oder aber über das Telefon. Das Gemeindehaus wie auch die Kirche und die Seniorentagesstätte müssen weiterhin leider geschlossen bleiben.

Dennoch können Sie sowohl unsere Gemeindesekretärin Frau Schlicke (763 2435) als auch unsere Gemeindepädagogin Frau Hansen (763 8055) zu den üblichen Bürozeiten telefonisch erreichen. Und selbstverständlich können Sie auch mich (763 7981) jederzeit erreichen. Es gibt auch eine neue Sorgen-Hotline der Nordkirche. Ich selbst arbeite dort auch mit. Die kostenlose Seelsorge-Hotline (0800-45 40 106) ist an 7 Tagen in der Woche zunächst für vier Stunden von 14 bis 18 Uhr freigeschaltet.

Leider dürfen wir zur Zeit keine öffentlichen Gottesdienste feiern. Aber auch hier gibt es gegenwärtig ganz verschiedene Angebote:

  • Wer bei YouTube in die Suchmaschine „Gottesdienste“ eingibt, wird auf eine Fülle von Gottesdiensten, Andachten und andere tröstliche Seiten hingewiesen.
  • Sonntags wird im Fernsehen jeweils ein ev. Gottesdienst oder eine kath. Messe übertragen.
  • Es gibt praktische Apps etwa von der Deutschen Bibelgesellschaft, mit denen Sie regelmäßig kleine Stücke der Bibel lesen können.
  • Der Fernsehsender „Bibel TV“ bietet gute religiöse Erbauungsfilme, Interviews und Gottesdienste.
  • Es gibt sog. Fastenbriefe, die im Internet unter anderezeiten.de gelesen werden können.

Wichtig ist, dass wir uns nicht gegenseitig aus dem Blick verlieren, sondern in der Familie, Nachbarschaft und Gemeinde voneinander hören, uns helfen, trösten und Mut machen. Dazu soll auch das tägliche Glockengeläut dienen.

Unsere gesamte Nordkirche hat sich einheitlich zu einem „Hoffnungsläuten – Innehalten am Mittag“ entschieden.
Die Bischöfinnen und Bischöfe der Nordkirche rufen uns zu einer nordkirchenweiten Aktion auf. In ganz Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern werden mittags um 12 Uhr die Glocken läuten, als Zeichen der Hoffnung in schweren Zeiten. Denn unsere Glocken erreichen die Ohren und Herzen sehr vieler Menschen auch bei Ausgangsbeschränkungen. Wer hört, gehört schon dazu. Wir sind auf diese Weise verbunden und geben den Menschen Gelegenheit ihren Tag, kurz zu unterbrechen und sich Zeit zum Innehalten und Beten zu nehmen.

Wo immer wir die Glocke hören, kann jede und jeder für sich ein Gebet sprechen.
Wie heißt es so schön im Matthäusevangelium: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. (Mt 7,7)
An dieser Verheißung wollen wir festhalten und mit Herz, Hand und Verstand füreinander da sein.

Ich wünsche uns allen viel Kraft, Fantasie und den Blick für den, der uns gerade braucht und grüße mit einem Wort aus der amerikanischen Partnerkirche:
„Stay healthy, trust God, and wash your hands“.

Ihr

Pastor Wolfgang Hohensee
Hamburg, den 26. März 2020